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„Als ob so was noch mal passieren könnte“ Rockmusical „Die Welle“ als Schülerproduktion uraufgeführt
„Das hätte auch in Stuttgart aufgeführt werden können.“ Die Besucherin steht noch ganz unter dem Eindruck dessen, was sie eben gesehen und gehört hat – nicht auf der Bühne einer deutschen Musical-Metropole, sondern in der Hermann-Kimling-Halle in Östringen. Die Premiere des Rockmusicals „Die Welle“ ist gerade zu Ende. Knapp drei Stunden lang haben mehr als 600 Zuschauer die Geschichte von der „Welle“ verfolgt. Haben Schülerinnen und Schüler mit grandiosen Stimmen singen hören und streckenweise atemlos gesehen, wie sich das anfängliche Experiment der Lehrerin einer amerikanischen Highschool selbstständig macht, als sie Methoden der Diktatur installiert, um zu zeigen, ob „so was noch mal passiert.“ Konnten miterleben, wie aus Schülern mit coolen Sprüchen im „Klugscheißer-Modus“ – stinknormalen Jugendlichen eben – angepasste Ja-Sager wurden. „Die Welle“ beruht auf einer wahren Begebenheit und wurde in Kanada als Rockmusical gezeigt. Diese Vorlage hat Lukas Jösel, Lehrer an der Thomas-Morus-Realschule Östringen, mit eigenen Liedern ergänzt und mit Schülerinnen und Schülern auf die Bühne gebracht. Entstanden ist eine Musical-Produktion, die die Premierenzuschauer zu einem frenetischen Schlussapplaus – stehend natürlich – veranlasste. Das lag einmal an der Inszenierung selbst. Mit Live-Band und Lukas Jösel am Schlagzeug, Chor, fetzigen, von Isabell Fröhlich choreografierten, Tanzszenen, passendem Bühnenbild, einem Helferteam und Sponsorenunterstützung. Das lag vor allem aber an den Darstellern. Mit ihren gerade mal 15, 16 und 17 Jahren haben die Schülerinnen und Schüler ein Stück umgesetzt, das nicht unbedingt zum Standardprogramm einer Realschule gehört. Allen voran die sieben Hauptdarsteller, die die vorwiegend englischen Songs und ihre Rollen mit bemerkenswerter Authentizität und mit herausragenden Stimmen gesungen und gespielt haben. Stimmgewaltig und ausdrucksstark Vivien Landsgesell, die die Außenseiterin Jas mit ihrem Gefühlschaos hervorragend verkörpert. Sarah Kettenmann, die die subtile Veränderung der engagierten Lehrerin Dr. Berg zur Diktatorin spürbar macht und die von ihrem Mann Christian (Paraderolle für Luca Moore-Erbe) davor gewarnt wird, als „Meerschweinchen in ihrem eigenen Experiment“ zu enden. Auch die Rektorin Mrs. Owens, souverän dargestellt von der erst 14-jährigen Lea Jäger, weist auf das Risiko eindringlich hin. Die Besonnenheit, der Mut und die Stärke der Schülerzeitungsredakteurin Tanis wird von Sabrina Kopisch sehr überzeugend gespielt und gesungen, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Sandra (stark gespielt von Ines Schilling) gegen das Experiment agiert. Zwischen die Fronten gerät Tanis Freund Kevin, dessen Konflikt von David Lindacker sehr gut zum Ausdruck gebracht wird. Alles in allem eine großartige Gemeinschaftsleistung aller Akteure auf, vor und hinter der Bühne. (mit freundlicher Genehmigung der BNN) |