Wer nicht neugierig ist, erfährt nichts.

Johann Wolfang von Goethe
(1749 – 1832), deutscher Dichter der Klassik, Naturwissenschaftler und Staatsmann

Marcus Rittershofer-
Leiter Multimedia AG

2008 wurde die Multimedia AG ins Leben gerufen. Ziel war und ist es, unseren Schülern einen vertieften Einblick in die neuen Medien zu geben. Schwerpunkte unserer Arbeit sind die Bereiche Video und Veranstaltungstechnik. Ohne die ´Technikjungs´ sind die Aufführungen des Musischen Projektes nicht mehr denkbar.  Filme werden abgedreht, geschnitten, nachvertont und montiert. Seit kurzem produzieren wir auch Livemitschnitte von Schulveranstaltungen und erstellen dazu passende DVDs in Eigenregie.

Einige Mitglieder der AG sind zu Schülermedienmentoren ausgebildet worden und unterstützen die Schule nun im neuen Fachbereich Medienerziehung in den 5. Klassen.

Wir nehmen regelmäßig an den Schülerradiotagen Stuttgart von der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung e.V. teil.

Die Multimedia AG steht allen Interessierten ab Klasse 7 offen. Man muss kein Computernerd sein, um sich bei uns wohl zu fühlen.

Gesamtgruppe D/F Videofilmtage im Elsass

Scherenschnitt Video: „Der gute Alien“

Celine Ungerer – ein normales Mädchen in der Maske

Der Alien erscheint

Fast nur noch Alien

Ein Alien – kein Mensch!

Videofilmtage Munster (Elsass) März 2015

Steil ist die Strasse hinauf zum Maison du Kleebach. Weit und blau spannt sich der Himmel über das zarte Frühlingsgrün am Rande von Munster. Ein perfekter Tag in einer traumhaften Landschaft, wie geschaffen für einen entspannten Tag im Freien.

Ob die da oben von all der Pracht überhaupt etwas bemerken? Vor meinen Augen erscheinen  blasse Gesichter, versunken in den Tiefen der PCs. Jeder eine eigene Welt. Irgendwie so stelle ich mir die Teilnehmer der 5. Videofilmtage Elsass Baden-Württemberg für Schüler vor. Und wenn man kaum spricht, sind Sprachgrenzen dann kein Problem mehr.

Auf der letzten Kehre, das Haus schon in Sicht, gellen plötzlich Verzweiflungsschreie durch den lichten Laubwald. Nicht sehr originell aber ich bin ein wenig beunruhigt und bleibe stehen. Erneute Schreie und einige tierische Grunzlaute hinterher. Wohl ein Filmset, doch nichts ist zu sehen. Im Haus angekommen, werde ich von einem bunten Durcheinander empfangen. Ich frage mich zu Jean-Francois Pey durch, dem Verantwortlichen der Videofilmtage auf elsässischer Seite und finde ihn inmitten einer Gruppe diskutierender Filmer vor.

Pey ist Lehrer am Lycée Stanislas in Wissembourg und treibende Kraft der Videofilmtage. Er hat Französisch und Literatur studiert, unterrichtet aber nur noch das, was er an der Sorbonne in Paris einmal bis zum Master lernte: Filmwissenschaft. Filmemachen, so sagt er, öffnet den Weg zur Welt. „Du kannst nicht offen für den anderen sein, wenn du selbst nicht offen bist im Kopf. Du musst zum Alien finden, der nicht deine Sprache spricht. Mit ihm in Kommunikation treten.“ Jean-Francois Pey schmunzelt. Den baden-württembergischen, den elsässischen Außerirdischen. Ich habe verstanden. Die andere Seite in drei intensiven Tagen kennenlernen, um deren Gedanken und Gefühle zu verstehen. Filmtechnik verstehen. Sich mit Profis austauschen. Ambitioniert, wie mir scheint. Aber nicht unmöglich.

Ich muss zu den Kursen und starte im Keller. Am Leuchttisch treffe ich auf  Sabine Willmann, Filmemacherin und Medienpädagogin aus Ludwigsburg. Ein alter Hase bei den Videofilmtagen. Scherenschnittfiguren und anschließende Verarbeitung. Ein klassisches Feld der Animationstechnik. Ihre Gruppe ist auf Raumschiffmission Voyager 3.

Ein Stockwerk höher lädt mich eine offene Tür zum Betreten ein. Raphael Mathié, Regisseur und einer der Kursleiter hier, streckt mir die Hand entgegen und lächelt. Braun gebranntes Gesicht. Mit fünf deutschen und fünf französischen Schülern arbeitet er am Thema: Bad Alien. Mathié war 10 Jahre lang Journalist für La Libéracion und für den Figaro, so erzählt er mir. Links und rechts. Man muss schon offen im Kopf sein, um die beiden unterschiedlichen Pressemedien miteinander verbinden zu können. 

Der Wahlbretone verzieht keine Miene, als ich ihm von meiner seltsamen Begegnung vor dem Maison du Kleebach und den Schreien im Wald erzähle. Ein Alien im Wald, der einen Menschen umgebracht hat? Mathié verneint. Ein (Menschen) Pärchen hat Streit im Wald. Ein Alien erscheint, es gibt Verständigungsschwierigkeiten. Am Ende bleibt ein toter Außerirdischer im Wald zurück. Hier ist leider nichts, was meinen Clichés im Kopf entspricht. Es klopft an der Tür. Mit blutverschmierten Händen steht ein kleiner Mann mit kräftigen Unterarmen im Rahmen. Er hat von meiner Ankunft gehört und bittet mich in sein Atelier. Einen kurzes Zögern meinerseits, was seinen wachen Augen nicht verborgen bleibt. „You don´t have to worry about the blood. Want to try?“ Ich schüttle skeptisch den Kopf, während ich in einen hellen, engen Raum trete. Es riecht intensive nach Lack und Erdbeere. Die Tische voll mit Schminkutensilien, Farbe, Gips. In der Ecke einige Schüler, die sich über die Schnittfolge einigen wollen. Still am Fenster sitzt eine Schülerin. In ihrem Gesicht türmen sich knöcherne Höcker, die nur spärlich von Haut überzogen sind. Blut tropft aus ihrem Mund, als sie mich anlächelt. Sie hat etwas Echsenhaftes. Grasgrüne Augen in einem faltigen Gesicht. Ein Wesen von einem anderen Stern. „This is a girl vom Germany“, meint Laurent Zupan, Maskenbildner und Fachmann für Special Effects. Eine gelungene Arbeit. Ich nicke ihm zu und mein Daumen zeigt kerzengerade nach oben. Es wird ein guter Film werden, auch wenn ich das Skript nicht kenne. Da bin ihr mir ganz sicher.

Wo ich auch hinkomme, überall herrscht geschäftiges Treiben. Sprachengewirr. Fünf französische und fünf deutsche Schulteams haben sich im ganzen Haus gemischt. So sieht es das Konzept vor. Gemeinsam arbeiten, gemeinsam essen. Sich austauschen über alle Sprachgrenzen hinweg. Alle zwei Jahre, mal links des Rheins, mal rechts. Schüler im Alter von 14-18 Jahren, aus verschiedenen Ecken des Elsass und Baden-Württembergs. Sogar eine Realschule ist vertreten.

Dejan Simonovic, den ich bei einer Verschnaufpause vor dem Haus treffe, tankt gerade Sonne. Wieder den Kopf frei bekommen. Für ihn transportiert das Medium Film „eine universelle Sprache, die am Ende alle verstehen.“ Simonovic, der schon zum zweiten Mal als Kursleiter dabei ist, zeigt sich überrascht über das Niveau einiger seiner Schützlinge. „Die werden ihren Weg in die Filmindustrie machen, da bin ich mir ziemlich sicher.“ Ich blinzle in die tief stehende Sonne und nicke ihm zu. Drinnen komponieren die Schüler eigene Musikstücke, passend zum Film. Das klingt schon verdammt gut und ziemlich spaceig.

 

Ich verabschiede mich von denen, die gerade einen Moment Zeit für mich haben und verlasse still das Raumschiff Film, hoch oben über dem Munstertal. Es gibt noch viel zu tun, das kann ich verstehen. Ich bin niemandem böse dafür. Mein Abschied ist nur von kurzer Dauer. Sägegeräusche leiten mich zu einem kleinen, gelben Gebäude, das etwas unterhalb des Haupthauses liegt. Abseits vom Treiben. Verloren im All. Ein Film ohne Spezialeffekte entsteht beim Bühnengestalter und Marionettisten Oliver Laurent. Mit Karton, Schere und Holz rücken seine Kursteilnehmer dem Thema Weltall zu Leibe. Fast hätte ich sie übersehen.

 

Fünf französische Gruppen, fünf deutsche Gruppen, á fünf Schüler. Zum fünften Mal. Fünf verschieden Projekte zum Thema „Science Fiction“.

Ein mildes Licht legt sich über die Landschaft. Schatten fressen sich immer tiefer in die Bergflanken der Vogesen. Mir schwirrt der Kopf von den Eindrücken am Berghaus und dem Sprachengewirr. Aber es bleibt in mir kein Babylongeschmack zurück. Irgendwie sind alle anders und doch vertraut zugleich. Man streitet sich über Einstellungen und Herangehensweisen. Ich werde wohl längst im Tal schlafen in dieser Nacht, wenn hoch oben am Hang noch so lange das Licht brennen wird, bis alle zufrieden sind und die letzte Klappe fällt. Im Kasten. Bereit für den Auftritt am nächsten Morgen im Cinéma Munster, wenn die Prominenz der beiden Länder entlang des Oberrheins erscheint.

Eine kleine Bilderauswahl der letzten Jahre MM AG

Let´s rock – Diafilm

Zwei Gesichter – Fotoworkshop

Ei Ei Ei

Gummibärchen Shooting

Smartfilm Safari Berlin

Projekt – Animation 2015